Sterbekasse

Sterbegeldkassen mit günstiger Kostenstruktur

Neben den großen Versicherungs-Aktiengesellschaften bieten auch spezialisierte Sterbekassen die Sterbegeldversicherung als private Vorsorge für die Beerdigungskosten oder anderen Geldbedarf in Zusammenhang mit Todesfällen an. Die Sterbekasse, eine der ältesten Versicherungsformen, hat in Zeiten niedriger Marktzinsen für viele Menschen an Attraktivität gewonnen. Rendite-Überlegungen stehen jetzt weniger im Vordergrund als der Wunsch, schon zu Lebzeiten vorzusorgen und Angehörige von den finanziellen Belastungen eines Todesfalls zu befreien.

Nachbarschaftshilfe mit römischen Wurzeln

Sterbegeldversicherung & Bestattungsvorsorge

Schon aus der Antike ist die Sterbegeldkasse als Vorläufer einer echten Sterbegeldversicherung bekannt. In der deutschen Geschichte boten berufsständische Vereinigungen wie zum Beispiel die Handwerkszünfte ihren Mitgliedern entsprechende Versorgungsvereinbarungen an. Aber auch die Entwicklung größerer Städte und damit die Abkehr von der bäuerlichen Großfamilie förderten die Entwicklung einer Nachbarschaftshilfe ähnlich der bekannten Brandgilden, dem Vorläufer der heutigen Gebäudeversicherung.

Wegen der häufig nur regionalen Bedeutung, der geringen Mitgliederzahl und des auf die Sterbegeldversicherung beschränkten Geschäftsgebiets gibt es verschiedene gesetzliche Sonderregelungen, die die Sterbekasse von den komplexen Vorschriften des europäischen Versicherungsaufsichtsrechts teilweise befreien. Während große Versicherer wegen der besseren Kapitalausstattung nur in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft oder eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit, kurz VVaG, betrieben werden dürfen, gibt es die Sterbekasse auch als eingetragenen Verein. Das bedeutet aber nicht, dass Sterbekassen weniger sicher wären als die großen Unternehmen. Auch sie unterliegen der staatlichen Aufsicht. Zwar werden nur rund 35 bedeutendere Kassen durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht kontrolliert, aber auch die unzähligen weiteren Vereine und kleineren VVaG werden beaufsichtigt, nämlich durch die zuständigen Landesbehörden.

Niedrige Zinsen, aber Kostenvorteile

Ein Ende der Phase niedriger Zinsen ist nicht absehbar. Dem können sich die Sterbekassen ebenso wenig entziehen wie die großen Versicherungsunternehmen. Im Gegenteil, sie haben wesentlich geringere Beträge anzulegen und verfügen auch nicht über einen Stab, der sich in großem Stil um das Kapitalanlage-Management kümmert. Stabsstellen kosten aber auch Geld, und über den niedrigen Kostensatz machen die kleineren Sterbegeld-Versicherer im Vergleich zu den Platzhirschen im Markt einiges wett. In diesem Zusammenhang gilt es auch, einen Blick auf die Vertriebsorganisation zu werfen: Zwischen Versicherer und Kunden agierende Vermittler wollen bezahlt werden, egal ob eine eigene Organisation von Vertretern Provision erhält oder ob an Makler eine Courtage gezahlt werden muss. Ein Verein oder kleiner VVaG spart die Vertriebskosten, die einen ganz wesentlichen Teil der Gesamtkosten ausmachen.

Die Auszahlung, die der Bezugsberechtigte nach dem Tod des Versicherten erhält, liegt je nach Rechtsform und Satzung der Sterbekasse manchmal höher als die zuvor vereinbarte Summe. Das liegt daran, dass Überschüsse ausgeschüttet werden. Solche Überschüsse erwirtschaftet die Sterbekasse aus drei verschiedenen Quellen. Während Kapitalerträge kaum noch oberhalb des ohnehin schon in den Monatsbeitrag einkalkulierten Rechnungszinses erzielt werden, sind aus den Kostenbestandteilen des Beitrags Gewinne durchaus möglich. Die größten Überschüsse werden aber dadurch erzielt, dass die Menschen heute im Schnitt älter werden, als es die Kalkulationsgrundlagen, die sogenannten Sterbetafeln, ausweisen. Da die Leistungen später fällig und Beiträge länger gezahlt werden, entstehen Sterblichkeitsgewinne.

Vergleichsrechner richtig nutzen

Da die Leistung im Todesfall nicht von vornherein feststeht, sind Vergleichsrechner für Sterbegeldversicherungen nur bedingt aussagekräftig. Sie erlauben zwar einen Vergleich zwischen Monatsbeitrag und garantierter Ablaufleistung, entscheidende Details des Tarifs finden sich aber erst im Kleingedruckten. Grundsätzlich hängt die Beitragshöhe von der gewählten Versicherungssumme und vom Eintrittsalter ab. Je länger man auf eine bestimmte Summe spart, umso geringer ist die erforderliche Rate.

So weit, so gut und einfach. Schaut man aber genauer hin, gibt es gravierende Unterschiede. Ist der Versicherungsschutz oder die Vereinsmitgliedschaft an eine Gesundheitsprüfung gebunden? Wenn nicht, ist der Beitrag möglicherweise teurer, oder es werden Wartezeiten vereinbart. Muss der Beitrag bis zum Tod bezahlt werden? Viele Tarife bieten eine abgekürzte Zahlungsdauer, zum Beispiel bis zum 65. oder 85. Lebensjahr. Gibt es Sonderleistungen, zum Beispiel eine höhere Summe bei Unfalltod oder einen Ersatz von Überführungskosten aus dem Ausland? Achten Sie in Vergleichsportalen deshalb auch immer auf eine Leistungsbewertung.

Vielleicht gibt es an Ihrem Wohnort oder für Ihren Berufsstand Sterbekassen, die wegen des begrenzten Tätigkeitsbereichs in den allgemein zugänglichen Vergleichen gar nicht aufgeführt sind. Hier lohnt ein genauer Blick in die Satzung. Sind die Beiträge garantiert, oder gibt es ein nachträgliches Umlageverfahren? Letzteres bedeutet nichts anderes als eine Nachschusspflicht, wenn die Kalkulation der Sterbekasse nicht aufgeht. Wenn ein kleiner Verein von mehreren überraschend frühen Todesfällen getroffen wird, ohne dass ein versicherungstechnischer Ausgleich nach dem Gesetz der großen Zahl möglich ist, kann es für die Mitglieder unerfreulich teuer werden. Auf der anderen Seite erbringen Vereine im Gegensatz zu den etablierten Versicherern weitere Dienstleistungen für ihre Mitglieder auch über die Organisation der Sterbegeldversicherung hinaus. Sie helfen zum Beispiel bei der Formulierung von Vorsorgevollmacht, Patientenverfügung oder Testament.

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